Kassel, 17. Februar 2021. „Immer positiv, ein sehr feiner Mensch, eine gute Seele, ein Freund“, so beschreiben ihn seine langjährigen Weggefährten – Dr. Hans-Günther Schafdecker. Seit 1995 ist der gebürtige Kasseler Mannschaftsarzt der Huskies. Heute feiert er seinen 60. Geburtstag. Die Kassel Huskies gratulieren recht herzlich und haben einen Blick in das Eishockey-Leben von Dr. Hans Schafdecker geworfen.

Der Startschuss seiner Karriere mit den Huskies erfolgte in der Saison 1995/1996. Der legendäre Hans Zach wollte neben einem Allgemeinmediziner auch einen Orthopäden in seinem medizinischen Team haben. So kam der Kontakt mit Hans Schafdecker und seinem Kollegen Dr. Rolf Raetzer zu Stande. Schafdecker war sofort dabei. Aber nicht nur durch seinen Start bei den Huskies waren die Jahre mit Hans Zach sehr besondere für ihn. „Die Zeit mit Hans Zach war für mich eine sehr prägende Zeit, die mich noch heute beeinflusst“, so Schafdecker. Die Zusammenarbeit mit dem Alpenvulkan war zwar nicht immer einfach, dafür aber stets konstruktiv. „Durch Hans Zach bin ich ins Profi-Eishockey gekommen, dafür bin ich ihm sehr dankbar.“ Zach nahm Schafdecker während seiner Zeit als Bundestrainer unter anderem auch zur Deutschen-Eishockey-Nationalmannschaft mit.

Sein erstes Mannschaftsfoto: Dr. Hans Schafdecker (oben, zweiter von rechts) Foto: Hajo

26 Jahre lang ist der in Göttingen studierte Orthopäde nun bereits Mannschaftsarzt der Huskies. Dabei hat er vieles erlebt: Meisterschaften, Abstiege und Neubeginne. Fragt man Schafdecker nach seinen schönsten Momenten mit dem Kasseler Eishockey, fallen ihm sofort zwei Dinge ein: „Die Vizemeisterschaft 1997 und der DEL2-Titel 2016.“ Sein prägendstes Erlebnis spielte sich aber fernab vom sportlichen Erfolg der Nordhessen ab. Bei einem Heimspiel 1998 blieb Husky Roger Hansson bewusstlos auf dem Eis liegen. Schafdecker stürmte geistesgegenwärtig aufs Eis und eilte zur Hilfe. Ihm gelang es den Schweden noch auf dem Eis wiederzubeleben. „Ein Moment, den ich wohl nie vergessen werde“, sagt er heute.

„Spieler sind gesundheitsbewusster geworden“

Seine Arbeite macht Hans Schafdecker noch immer unheimlich viel Spaß. Dabei haben sich seine Abläufe am Spieltag eigentlich nie geändert. „Ich bin meistens eine Stunde vor Spielbeginn da und spreche mit den Spielern und dem Staff. Dann hängt es natürlich davon ab, ob sich jemand verletzt, wobei wir immer hoffen, dass alle gesund bleiben.“

Während der Arbeit: Nach einem Zusammenprall ist Hans Schafdecker (zweiter von rechts) sofort auf dem Eis. Foto: Hajo

Im Verlauf seiner Amtszeit hat er dagegen bei den Spielern eine Entwicklung wahrgenommen: „Die Jungs sind alle gesundheitsbewusster geworden. Doch die Verletzungsmuster sind recht gleichgeblieben, nur die Gesichtsverletzungen haben abgenommen.“ Genau dabei spielte Schafdecker auch eine entscheidende Rolle. Denn er war führend bei der verbindlichen Einführung von Helmvisieren. „Verletzungen im Gesicht und am Schädel haben sich damit drastisch gesenkt“, erinnert er sich.

Über die vergangenen 26 Jahre hinweg schätzt Schafdecker die Arbeit mit den Schlittenhunden und weiteren Sportlern. Denn neben den Eishockey-Huskies arbeitet er in seiner Praxis in Baunatal auch mit Fuß- und Handballern zusammen. „Es bereitet mir große Freude, mit Sportlern zusammenzuarbeiten. Sie haben alle einen großen Willen wieder gesund zu werden. Man sieht den unmittelbaren Erfolg.“ Auch er als Orthopäde kann aber ein paar Unterschiede zwischen den einzelnen Athleten ausmachen. „Eishockeyspieler sind schon etwas härter im Nehmen. Das unterscheidet Sie von anderen Sportlern“, sagt Schafdecker amüsiert.

„Er ist ein Kumpel-Typ“

Mit den Spielern der Schlittenhunde habe er immer ein gutes Verhältnis gehabt, besonders zu den Kasseler Jungs. „Sie machen für mich das Kasseler Eishockey aus“, so Schafdecker. Fragt man eben diese Kasseler Jungs nach ihrem langjährigen Mannschaftsarzt, dann sind sie sich alle ziemlich einig. „Er ist ein Kumpel-Typ, der immer ein offenes Ohr hat“, beschreibt ihn etwa Manuel Klinge. Den Rekordspieler der Huskies kennt Schafdecker seit Kindertagen und begleitete ihn auch während Klinges schwerer Knieverletzung, die letztendlich das Karriereende von „Manu“ bedeutete. „Hans war vom ersten Moment bis zum Schluss an meiner Seite“, erinnert sich Klinge. „Ich habe mich immer in besten Händen gefühlt. Dazu hat mich Hans nicht nur medizinisch, sondern auch psychisch betreut.“

Immer am lächeln: Hans Schafdecker (links) mit Fabian Dahlem. Foto: Schachtschneider

Ähnlich sieht das auch Sven Valenti: „Wenn ich an Hans denke, fallen mir natürlich zuerst die vielen Besuche bei ihm in der Praxis ein. Doch ich wusste, dass ich immer gut behandelt werde.“ Über die Jahre hinweg hat sich eine Freundschaft entwickelt, die über das Eishockey auf den grünen Rasen hinüber ging. „Wir haben zusammen in Büchenwerra Fußball gespielt. Da war er dann mehr für das Grobe zuständig“, sagt der heute 45-Jährige schmunzelnd.

Und auch Michi Christ spricht nur in höchsten Tönen von Hans Schafdecker. „Er ist eine der guten Seelen des Kasseler Eishockeys, immer hilfsbereit und sympathisch. Dazu ist er stets mit Herz dabei,“ beschreibt ihn Michi Christ, der ihn seit mittlerweile 14 Jahren kennt.

Ein besonderes Verhältnis zu Spielern hatte Schafdecker aber auch in früheren Jahren, besonders mit Greg Evtushevski. „Man könnte sagen Greg hat bei mir in der Praxis gewohnt“, erinnert er sich. Durch die hohen Kosten für Auslandsanrufe verbrachte der Kanadier viel Zeit in Baunatal und nutzte das Praxistelefon, um mit seiner Heimat zu telefonieren.

Auch mit Joe Gibbs verbindet Hans Schafdecker eine langjährige Freundschaft. Beide kennen sich seit 1999. „Wir sind zusammen durch dick und dünn gegangen“, erinnert er sich. Auch der jetzige Huskies-Geschäftsführer achtet Schafdecker: „Ich schätze sehr seine Fachkenntnis, aber noch mehr unsere Freundschaft.“

Der Traum von der DEL lebt

Wie viele Jahre Hans Schafdecker den Huskies noch treu bleibt seht noch nicht fest. Eines dagegen schon: „Ein Jahr in der DEL möchte ich noch mitmachen“, ist er sich sicher. Mit Dr. Christian Gröll, der seit fünf Jahren ebenfalls in Baunatal praktiziert, steht aber schon ein Nachfolger bereit. Dennoch bleibt der Wunsch, die Huskies noch einmal in der ersten Liga zu betreuen. Und seine Huskies sind auf einem guten Weg, auch ihm diesen Traum vom Aufstieg zu erfüllen.