HNA-Interview: Marco Müller über seine bisherige Zeit bei den Huskies
Der folgende Artikel stammt von unserem Medienpartner HNA. Die Originalversion findet ihr hier.
Marco Müller bestreitet heute für die Kassel Huskies ab 19.30 Uhr bei den Eispiraten Crimmitschau sein Rekordspiel. Wir haben mit dem 35-Jährigen auf Punkte seiner Huskies-Zeit geguckt.
Kassel/Crimmitschau – Klar, für beide Teams geht es um wichtige Punkte in Sachen Platzierung. Doch alle, die es mit dem nordhessischen Eishockey-Zweitligisten halten, blicken heute besonders auf Marco Müller.
Der 35 Jahre alte Verteidiger macht sein 623. Spiel für die Huskies. Ein einziges mögliches Hindernis, wenn man es so nennen mag, besteht allerdings: Müllers Lebensgefährtin Alina ist hochschwanger, der Geburtstermin steht kurz bevor. Sollte sich der Nachwuchs aber noch bis mindestens Samstag Zeit lassen, überholt er Manuel Klinge und schwingt sich zum Kasseler Rekordspieler auf.
Müller hat es schon oft gesagt: Abzusehen war das vor zwölf Jahren nicht. 2014 kam er von DEL2-Vizemeister Bietigheim zum Aufsteiger nach Kassel. Der Steelers-Kaderplanung ist es rückblickend zu verdanken, dass der Abwehrspieler bei den Huskies landete. „In Bietigheim war ich bis 2014 noch U24-Spieler. Bei den Steelers hatten die älteren Spieler alle schon Verträge, die Plätze waren belegt. Deshalb ging es dort nicht weiter“, sagt er beim Blick auf sein damaliges erstes Huskies-Porträtfoto und scherzt: „Der Bart ist bis heute mehr geworden. Die Augenringe aber auch.“
Er war 2014 im Probetraining in Dresden, auch zu ein, zwei anderen Teams gab es Kontakte. Dann aber rief Rico Rossi an, den er als Trainer aus seiner Heimatstadt Heilbronn kannte und unter dem er die ersten Profispiele gemacht hatte. Bevor er irgendwo unterschreibe, solle er noch warten, habe der Kanadier zu ihm gesagt. Es könne sein, dass Rossi zeitnah einen Job bekäme. Und Tatsache: Rossi wurde Huskies-Trainer – Müller wechselte zu dem Coach, den er seit seiner Zeit bei den Jungadlern Mannheim kannte. Bis heute ist Marco Müller geblieben.
Wir haben ihm zum Rekordspiel Fotos (siehe Titelbild) vorgelegt. Besondere Erinnerungen, besondere Anlässe, besondere Verbindungen. Müller hat uns dazu seine Assoziationen erzählt.
Weihnachten 1996: „Da habe ich meine ersten Handschuhe, meinen ersten Helm bekommen. Ich habe zu dem Zeitpunkt Fußball gespielt, war auch in der Baden-Württemberg-Auswahl. Mein Vater war Eishockey-Fan, hat in Mannheim und Heilbronn in der 2. Liga zugeguckt. Da war ich dabei, das hat mir Spaß gemacht. Ich habe klassisch auf der Straße gespielt, in der Nachbarschaft ist dann ein Eishockeyspieler eingezogen. Dann bin ich mit meinem Cousin Corey (Mapes) zur Laufschule und dann zum Training.“
Playoff-Finale 2016: (lacht) „Das links ist Bietigheims Shawn Weller, wir hatten eine Hassliebe. Wir hatten uns auf dem Eis immer in den Haaren – oder in seinem Fall im Bart. Irgendwann haben wir uns mal auf dem Oktoberfest getroffen, da hat er gesagt, dass er es gegen mich hasst, aber auch liebt. Das war immer hart, wir haben uns gegenseitig nichts geschenkt. Viele Gegen- und Mitspieler lernt man über die Zeit kennen, Crimmitschaus Dominik Walsh sagt immer vorm Spiel zu mir: Bitte heute nicht so hart.“
Sein teaminterner Spitzname „Eisenmülli“: „Mit dem Spitznamen kann ich gut leben. Aber viel häufiger im Kraftraum als die anderen bin ich gar nicht – in der Saison sowieso nicht, da hat man nicht die Zeit. Im Sommer mache ich das gern. Gewichte durch den Raum zu schmeißen, macht mir Spaß. Kreuzheben ist meine Lieblingsübung. Wintersportler werden im Sommer gemacht und das Training hat in meinen Augen ausgemacht, dass ich – toi, toi, toi – ganz selten Probleme mit der Muskulatur habe.“
Der seltene Torjubel: „Woran es liegt, weiß ich gar nicht. Es sind genügend Schüsse dabei, im Training treffe ich ab und zu – auf alle Fälle häufiger als im Spiel. (lacht) Es gehört auch immer ein bisschen Glück dazu, in Weiden hatte ich es in dieser Saison. Ich war froh, dass es trotz Spielabbruch gezählt hat. Ich war lang genug ohne Tor.“
Die Meisterschaft 2016: „Wow, das ist echt schon zehn Jahre her. Mit manch einem von damals hat man mehr Kontakt, mit anderen ein bisschen weniger. Matze Müller hat jetzt geschrieben: Bald ist Jubiläum – was machen wir? (lacht) Für mich war Rico Rossi (linkes Foto) ein besonderer Trainer, weil er mir nach der Jungadler-Zeit die Chance gegeben und mir immer das Vertrauen geschenkt hat. Ohne Rico hätte es vielleicht trotzdem die Möglichkeit gegeben, nach Kassel zu kommen. Aber den Kontakt hat er damals hergestellt. Ob es 2015/16 die beste Huskies-Mannschaft in meiner Zeit war? Das ist schwer zu vergleichen. Wir hatten Jahre, da hätten wir allein vom Talent die Liga einreißen müssen, wo aber andere Umstände hineingespielt haben. Wir waren damals vielleicht nicht so talentiert, aber wir hatten die richtige Einstellung, jeder wusste um seine Rolle. Das hat uns ausgemacht. Die Party war schön, die Fahrt nach Barcelona auch. (lacht)“
Enttäuschungen: „Sie gehören zum Sport dazu. Es muss alles passen für den großen Wurf, er ist nicht planbar. Ich bleibe dabei, dass vergangenes Jahr gegen Dresden nicht viel gefehlt hat. Das trifft aber eigentlich auf alle verlorenen Serien zu. Das will man nicht noch mal erleben. Deshalb arbeiten wir tagtäglich dafür, dass es nicht noch mal geschieht.“
Müller und die Kasseler: „Nach der Meisterschaft 2016 hat man sich gefragt, wie lang es hier wohl noch geht. Ich komme nicht von hier, normalerweise sind es die Einheimischen, die länger bleiben. Zu vielen von den Kasseler Spielern habe ich einen Draht, man läuft sich irgendwie über den Weg. Mit Alex Heinrich habe ich lang zusammengespielt, der Kontakt zu seiner Familie war eng. Michi Christ und Manu Klinge sehe ich beispielsweise regelmäßig, der Kontakt zu Lucci Krüger ist durch das Golfen enger geworden. Die Pantkowskis kenne ich auch.“
Müller und die Fans: „Ich bin hier heimisch geworden und klar werde ich inzwischen in der Stadt erkannt und angesprochen. Wenn man hört, wie die Fans in der Halle den eigenen Namen rufen, ist das schon eine Wertschätzung, die guttut. Warum ich beliebt bin, weiß ich nicht. An der Anzahl der Tore liegt es aber wahrscheinlich eher nicht (lacht). Als Unterländer – so nennen wir uns in Heilbronn, genau zwischen Baden und Württemberg – fühle ich mich jetzt auch noch wie ein Nordhesse.“
Müller und Klinge: „Manu zu überholen, ist eine große Ehre. Er war Nationalspieler, hat bei Olympia gespielt. Er war ein unglaublicher Kapitän, der uns zusammengehalten hat. Es ist sehr schade, dass er sich verletzt hat und die Karriere abprubt zu Ende war.“ Und was sagt Klinge über Müller und dessen Rekord? „Ich freue mich unheimlich für ihn. Ich bin ihm auch nicht böse, dass er mich nun überholt (lacht). Marco ist der Spielertyp, den jedes Team braucht. Er war immer loyal, hat sich dem Verein verschworen. Diese Treue gibt es kaum noch.“