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Kennste noch... Andi Loth?

Dieses Mal geht unsere Reise zurück zur Jahrtausendwende. Die Kassel Huskies gingen unter dem im Vorjahr zurückgekehrten Trainer Hans Zach (Zitat des Rückkehrers: „Einmal Husky – immer Husky“) in die sechste DEL-Saison. Mit Platz 9 hatte man im Vorjahr knapp die Playoff-Teilnahme verpasst. Zach, der so viele talentierte deutsche Spieler an die Fulda lotste, stellte auch die Verbindung mit einem neuen Flügelstürmer her, der im Sommer 1999 bei den Schlittenhunden anheuerte.

Andreas Loth war sofort ein enormer Gewinn für das Kasseler Team. Der nimmermüde Kämpfer sollte fünf Spielzeiten an der Fulda bestreiten und während dieser Zeit die Gelegenheit erhalten, sein Können als Eishockeyspieler weit über die Grenzen Nordhessens zu demonstrieren. Wir haben unsere ehemalige Nummer 18 im heimischen Schongau erreicht, wo er mittlerweile das Familienunternehmen leitet und über alte Zeiten und viele schönen Erinnerungen gesprochen.“

„Ich freue mich sehr, dass ihr euch bei mir meldet“ beginnt Andi das Gespräch und erkundigt sich erst einmal nach dem aktuellen Stand in Kassel und alten Weggefährten. „Ich hatte eine unglaublich tolle Zeit in Kassel und verfolge das Geschehen natürlich nach wie vor“. 

Das Eishockeyspielen erlernte der Flügelstürmer bei seinem Heimatverein und beim EV Landshut. Für die Niederbayern absolvierte Andi 1991/92 als U20-Nationalspieler seine ersten Profispiele. Für vier weitere Jahre trug er das Trikot der Dreihelmstädter in der Ersten Bundesliga, bzw. ab 1994 in der DEL. „Dann bin ich nach Österreich gewechselt. Das Bosman-Urteil hat es uns deutschen Spielern ungleich schwerer gemacht, in der DEL Fuß zu fassen.“ Und wie lebte es sich als Bayer in Österreich? „Sehr gut“ sagt Andi, „ich habe zunächst in Graz gespielt, das hat wirklich Spaß gemacht. Die Steierer sind uns Bayern nicht ganz unähnlich, vielleicht sogar noch ein wenig gemütlicher“ lacht er. „Auch in Wien habe ich ein halbes Jahr gespielt und dort gewohnt.“ Zu Österreich hat Andi ohnehin viele Bezüge. Der wichtigste ist dabei seine Frau Eveline, die er in Feldkirch kennen und lieben lernte. Dort spielte er, bevor ihn sein Weg nach Deutschland zurückführte. 

„Ein Grund nach Kassel zu wechseln war sicherlich Hans Zach. Ich wusste, dass er Spielern, die hart arbeiten, eine faire Chance gibt.“ Und das Markenzeichen des harten Arbeiters verkörperte kaum ein Spieler wie Andi Loth. Als nimmermüde Kampfmaschine wurde er mit seinem laufintensiven und körperbetonten Spiel schnell zu einem Liebling der Kasseler Fans. Wenn er als Bandenhobel mit gefletschten Zähnen seine Gegenspieler beackerte, konnten sich die Zuschauer in der Regel auf einen gewonnenen Zweikampf für die Huskies einstellen. Vom Training bis zum entscheidenden Playoff-Spiel: Andi Loth hat immer alles auf dem Eis gelassen und mit seinem Auftreten Mitspieler und Fans bei zahlreichen Gelegenheiten mitgerissen und zu höheren Leistungen angetrieben. Kaum ein Spieler verfügte über eine derartig ausgeprägte Fitness. Auch neben dem Eis war Loth sehr beliebt. Seine authentische offene Art wurde in der Huskies Familie sehr geschätzt. Auch diese Eigenschaften sorgten dafür, dass Loth vier Spielzeiten als Assistenz-Kapitän von Tobi Abstreiter in Kassel wirkte. Für die Medien war er als geduldiger und kompetenter Ansprechpartner, auch nach schwierigen Partien, häufig der gesuchte Interviewpartner.

Andi erlebte eine erfolgreiche Zeit in Nordhessen. „Einzelne Highlights sind da schwer herauszupicken. Aber als wir in meinem ersten Jahr mit den Huskies den amtierenden Meister aus Mannheim im Viertelfinale rausgekickt haben, war das schon etwas Besonderes. Wir lagen in der Best-of-Five Serie gegen das Topteam der Liga 1:2 zurück und mussten in Mannheim ran. Kein Außenstehender hat geglaubt, dass wir noch etwas reißen können. Aber wir wollten als Mannschaft unbedingt dort gewinnen, haben die Adler zuhause besiegt und tatsächlich die Serie gedreht.“ Der Schlüssel war die mannschaftliche Geschlossenheit. „Wir waren ein starkes Team. Die ersten drei Reihen waren in der Regel gesetzt, dahinter kämpften die jungen Spieler um die verbleibenden Positionen.“ Der Linksschütze etablierte sich schnell in den Topformationen. Er lobt seine ehemaligen Nebenleute. Loth spielte auf der linken Position neben starken Centern wie Tobi Abstreiter und Ted Drury. Gefragt nach dem wichtigsten Mitspieler tut sich der teamorientierte Stürmer erwartungsgemäß etwas schwer, kann sich aber dann doch auf einen ehemaligen Kollegen festlegen: „Örjan Lindmark. Er hat mit seiner stabilen und ruhigen Art für enorme Sicherheit gesorgt, da hatte man als Mitspieler direkt weniger Druck. Er hat als Linksverteidiger hinter mir abgedeckt. Noch dazu sei der Schwede ein klasse Typ und einer dieser „Unsung Heroes“ würdigt Andi seinen ehemaligen Weggefährten. „Es hat mit allen Mitspielern riesigen Spaß gemacht. Im Sturm war zum Beispiel auch Klaus Kathan ein toller Nebenmann.“

Mit den Huskies eher in einer „Underdog“-Rolle, deren Ziel die Playoff-Teilnahme war, schaffte Andi drei Jahre in Folge den Halbfinaleinzug und wurde 2004 deutscher Vizepokalsieger. Sehr zur Freude aller Huskies-Fans vertrat er die Farben des Clubs bei zahlreichen internationalen Turnieren. Als Highlight nennt er natürlich die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City. „Das war natürlich sensationell und ein wahrgewordener Traum für jeden Profisportler“ erinnert er sich. „Die Rahmenbedingungen waren allerdings nach den Anschlägen vom 11. September deutlich erschwert. Die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm, der Bus wurde ständig gefilzt, überall schwer bewaffnetes Personal.“ 

Das Turnier wurde sportlich zu einem Erfolg. Mit einem ganz besonderen Moment für Andi… Der traf ausgerechnet gegen Österreich in der 59. Minute des letzten Vorrundenspieles zum 3:2 und sicherte dem DEB-Team damit den Einzug ins Viertelfinale. „Ja, das werde ich natürlich nie vergessen. Mark MacKay gewann das Anspiel und ich habe den Puck über die Linie gedrückt. Das war ein hochkarätiges Turnier mit sämtlichen NHL-Stars, da haben wir uns gut verkauft.“

Nach seiner Zeit in Kassel spielte Andi noch eine DEL-Saison in Ingolstadt, beziehungsweise Köln, bevor er in Ravensburg nach zwei Jahren Oberliga seine Karriere beendete. Somit war Kassel die Station, wo er die längste Zeit seiner Profikarriere verbrachte. 289 Spiele ackerte, kämpfte, rannte und blutete Andreas Loth für die Huskies, erzielte 37 Tore und bereitete 58 Treffer vor. 

„Es war mir eine Ehre, für die Kassel Huskies zu spielen. Die Fans haben uns so unglaublich toll unterstützt. Man hatte das Gefühl, man zählt als Eishockeyspieler etwas, wurde wertgeschätzt, das war nicht immer der Fall. Es gab dort so viele herzliche Leute, die einen immer unterstützt haben. Ich habe nur gute Erinnerungen an Kassel. Mensch, ich muss auch echt mal wieder vorbeikommen!“

Die Einladung ist selbstverständlich erfolgt!

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