Kennste noch... Peter "Roads" Roedger

In unserer heutigen Ausgabe möchten wir einen Spieler ehren, der das Kasseler Eishockey Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre maßgeblich prägte. Peter Roedger war der letzte ESG- und der erste ECK-Kapitän, Anführer der legendären 89ers, ein Identitätsspieler und Vorbild, bei Teamkollegen und Fans hoch angesehen. „Roads“ ist bis heute mit 252 Punkten (91 Tore) weit oben in der ewigen Huskies-Topscorerliste zu finden, nämlich auf Position 12.

Dabei war Peter nicht der klassische Torjäger oder filigrane Vorbereiter. Er kam über Einsatz, Arbeit und Leidenschaft. Kaum einer konnte die Scheibe besser abschirmen und seinen Nebenleuten Räume verschaffen wie er. Peter machte seine Nebenleute besser. Auch sein kongenialer Partner, Huskies Legende und Rekordscorer Shane Tarves, profitierte von „Roads“. „Es gibt nur einen Peter Roedger“ sagt Shane und ergänzt: „Ich habe in meinem Leben kaum jemanden kennengelernt, der so selbstlos, bodenständig und positiv denkend ist! Er hätte für den Erfolg der Mannschaft alles getan. Als Spieler, Trainer und Begleiter. Er ist ein toller Mensch!“

Wir haben unseren sympathischen Ex-Captain im heimischen Port Elgin, Ontario angerufen und hatten ein herzliches Gespräch über seine Karriere, sein Leben neben und nach dem Sport und seine tiefe Verbindung mit Nordhessen und dem Kasseler Eishockey.

Alles begann mit der Initiative eines Mannes. Ende der 70er Jahre reiste der 2018 verstorbene Eishockeyspieler und Trainer Heinz Weisenbach sechs Wochen lang durch Übersee und brachte zunächst einmal zwölf Spieler mit nach Deutschland, die, ob ihrer deutschen Vorfahren, Aussichten auf einen deutschen Pass besaßen. Weisenbach’s hervorragende Scoutingfähigkeiten bescherten den Vereinen in der ersten und zweiten Eishockey Bundesliga nicht einfach die berühmte erste Generation deutsch-kanadischer Eishockeycracks, sondern bereicherte den Sport in Deutschland mit unvergessenen Namen wie beispielsweise Harold Kreis oder Manfred Wolf.

Unter den kanadischen Jungspunden waren auch der gerade 18 Jahre alt gewordene Peter und sein Bruder Roy. Peter blickt mit Stolz auf die Karriere seines Bruders, die diesem zwei Olympia-Teilnahmen bescherte und ihn zu einem Mitglied der deutschen Hockey Hall of Fame machte und nennt ihn bis heute seinen besten Freund.

„Der Start in Deutschland war eine unglaubliche Erfahrung und wirklich sehr aufregend. Nach den Verhandlungen saß ich eines nachts allein in einem Zug nach Schwenningen und dachte nur – was erwartet mich jetzt?“ Im Nachhinein ist die Antwort klar: der Auftakt zu einer großartigen Karriere in einem Land, das zu Peters zweiter Heimat wurde. „Ich habe einiges mit nach Kanada mitgenommen“ lacht Peter auf die Frage, wie sehr ihn die bedeutsame Zeit als junger Mann in einem fremden Land geprägt hat. „Ich liebte Deutschland für seine Strukturen, für den Stolz, mit denen die Menschen ihre Arbeit verrichteten. Nach dem Motto – wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig! Es hatte alles Substanz. Das hat mich sowohl in meiner Zeit als Eishockeyspieler, wie auch als Mensch geprägt. Und wir hatten natürlich jede Menge Spaß.“

Über Schwenningen, den HSV, Preussen Berlin, Mannheim und Frankfurt führte ihn sein Weg 1985 nach Nordhessen. Auf die Frage, wie es zum Kontakt mit Kassel gekommen sei, ertönt Gelächter, gefolgt von folgender wunderbaren Geschichte: „Ich spielte für Frankfurt und bekam beim Versuch, Herbert Heinrich beim Schlagschuss die Scheibe wegzustechen, meinen eigenen Schläger auf die Nase. Mich hat es richtig umgehauen und ich habe nur noch die Lichter unter der Hallendeck gesehen. Im nächsten Moment behandelt mich der Kasseler Mannschaftsarzt Dr. Jöckel in der Kabine und hielt es für einen guten Moment, mich zu fragen, ob ich nicht lieber in Kassel spielen wollte.“ Da Peter sich ohnehin mit Wechselgedanken getragen hatte führte eines zum anderen und es hieß: „Let’s do it! Ab nach Kassel!“ Lachend fügt er hinzu: „Thank god for people like Dr. Jöckel!“

Von 1985 bis 1992 trug der 196cm große Deutsch-Kanadier, mit Ausnahme der Saison 88/89, das Kasseler Trikot. Nach seiner Rückkehr aus Duisburg führte Roedger die sportliche Leitung und den Spielerrat an, diente als spielender Coach. Das bringt sicherlich besondere Anforderungen mit sich. „Absolut“ lacht Peter. „Es war schon interessant, vom Eis aus die nächste Sturmreihe anzusagen. Wenn ich auf die Strafbank musste, wurde die Aufgabe nicht einfacher. Es war eine aufregende Zeit, wo wir Spieler viele zusätzliche Aufgaben übernommen haben. Ich habe phasenweise noch die Schlittschuhe meiner Kollegen geschliffen.“ Getragen wurde Peter in seinem Amt von wichtigen Mitspielern. „Jungs wie Shaner, Kolo und Herbert haben mich maximal unterstützt. Es war eine unglaubliche Saison. Am Ende mussten wir die letzten vier Spiele der Aufstiegsrunde gewinnen, es herrschte ein immenser Druck. Nach drei Siegen stand das letzte Aufeinandertreffen zuhause gegen Bad Nauheim an. Wir gewannen das Spiel.“ Dieser Moment, der finale Sieg und damit verbundene Aufstieg, begleite Peter und den Rest der „Bruderschaft“, wie er das 89ers Team heute liebevoll nennt, bis heute. Und er wird nicht müde, seine ehemaligen Kollegen in den Vordergrund zu stellen und betont, dass der Schlüssel zum Erfolg die Einheit der Mannschaft war, von den Topscorern „bis hin zu den jungen wilden einheimischen Kämpfern.“ Neben den zuvor genannten Führungsspielern stellt Peter noch die Wichtigkeit einzelner Cracks wie Eric Thurston, Tim „Snoopy“ Schnobrich und Goalie Josef Kontny klar. „Unser Meisterteam und ganz Kassel konnte sich bei Sepp bedanken, er hat eine sensationelle Leistung abgerufen“.

Als Kapitän hat Roads eine sehr bedeutsame Phase unserer Vereinsgeschichte, nämlich den Wandel von ESG zu ECK und den Wiederaufstieg zurück in die zweite Bundesliga maximal mitgestaltet. Die Spielweise des Kapitäns drückte dem „neuen“ ECK seinen Stempel auf. Auch wegen „Roads“ entwickelte sich in Kassel eine Identität, welche die Huskies bis heute definiert – zusammenhalten, kämpfen und niemals aufgeben. Tugenden, die Roedger seinen Jungs vorlebte und einimpfte. Wenn man heute mit Peter spricht, hört man wie liebevoll er auf diese Zeit zurückblickt. Wenn er sich nach Mitarbeitern erkundigt und nach all den Jahren für so viele Menschen ein gutes Wort übrighat.

Wie blickt er heute nach Kassel und auf seine Zeit in Deutschland zurück? „Oh man, es war einfach ein Privileg in Deutschland meinen Sport ausüben zu dürfen. Ich habe für viele Vereine und vor großartigen Fans gespielt. Aber Kassel? Das war Familie. Man kannte die Menschen, die uns auswärts supportet und die Eissporthalle vollgepackt haben. Die Stimmung bei unseren Heimspielen war unvergleichbar, es gab eine sehr intensive Verbindung mit den Zuschauern. Ich trage diese Zeit für immer in meinem Herzen. Ich habe eine Kasselänerin geheiratet, unsere beiden Jungs wurden in Kassel geboren, mein Sohn Marc hat 20 Jahre nach mir für die Huskies gespielt. Die Verbindung ist besonders. Es ist nun 32 Jahre her, dass ich Deutschland verlassen habe. Sämtliche Kontakte nach Deutschland drehen sich um Kassel, das dürfte alles sagen“ lacht Roads.

In Deutschland lief der Stürmer nach seiner Zeit in Kassel noch zwei Jahre für den EV-Weiden in der Oberliga auf. Und dann hörte es auf, wie es 16 Jahre zuvor begonnen hatte. Peter saß allein in einem Zug, diesmal auf dem Weg nach Koblenz. Die Familie war von dort aus schon vorausgereist. „Oneway-Ticket back to Canada. Und ich dachte: was erwartet mich da jetzt?“

Zurück in Kanada schnürte er noch zwei Jahre die Schlittschuhe für die Lakeshore Winterhawks, bevor er 1996 seine Spielerkarriere beendete. Als Head Coach lenkte er von 2012 bis 2016 sehr erfolgreich die Geschicke der Saugeen Shores Winterhawks, die mit Roads 2013 ihre letzte Meisterschaft gewannen.

Heute kümmert sich der 66-Jährige um das Familienunternehmen im heimischen Ontario. „Life is good“ resümiert Roads, der aktuell wieder einmal Besuch aus Deutschland zuhause hat. „Natürlich schauen wir gemeinsam die WM, hier steht ein Deutschland-Schrein und bei den DFB-Spielen war das Wohnzimmer in schwarz-rot-gold getaucht.“

Er sei natürlich auf dem Laufenden, was die Huskies und die Probonio Arena angehe, ist aber seit 2011 nicht mehr an seiner alten Wirkungsstätte gewesen. „Ja, das schmerzt mich auch ein wenig“ gesteht Peter. „Es ist einfach mal wieder Zeit für einen Besuch.“ Die letzte Visite fand zu einem sehr schönen Anlass statt. „Das stimmt. Es war die Nacht der Legenden und ich durfte noch einmal mit meinen ganzen alten Buddys und gemeinsam mit meinem Sohn aufs Eis.“

Eines ist Roads am Ende wirklich wichtig: „Ich freue mich sehr, dass ihr an mich denkt! Richte bitte meine besten Grüße an alle Huskies Fans, das Team, die Mitarbeiter und alle Unterstützer aus. Ich hoffe wir sehen uns bald!“

Es wäre uns eine ausgesprochene Ehre und großes Vergnügen, Roads!

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