Corey Neilson - Der neue Cheftrainer im Interview
Er kam, um den Funken im Team der Kassel Huskies neu zu entfachen. Mit Erfolg! Doch wie tickt der neue Coach unserer Schlittenhunde eigentlich? Welche Ziele hat er sich gesteckt und wie möchte er die Huskies zurück an die Spitze des deutschen Eishockeys führen? Der gebürtige Kanadier war selbst viele Jahre als Eishockey-Profi aktiv und kennt die Huskies bereits aus seiner Zeit in Weißwasser. Im exklusiven Interview spricht Neilson erstmals über seinen neuen Job als Cheftrainer und gewährt private Einblicke in seine Trainerphilosophie.
1. Wie sind Sie zum Eishockey gekommen? Wie wurden Sie Trainer?
„Ich komme aus Kanada und sobald man da laufen kann, stehst du praktisch auf den Schlittschuhen. Ich sah andere Kinder spielen und habe mich recht schnell in den Sport verliebt.
Während meiner aktiven Karriere habe ich dann bereits gemerkt, dass ich Trainer werden möchte. Über den Sommer habe ich bereits damals immer Kinder- und Jugendmannschaften trainiert. In Nottingham wurde ich dann Spieler-Trainer, was sehr interessant war. In meiner letzten aktiven Saison habe ich mich am Knie verletzt und ich brachte einen neuen Spieler ins Team. Und das Team spielte besser ohne mich (lacht). Ich hatte das Gefühl, dass ich von der Bande einen guten Einfluss auf mein Team haben konnte. Am Ende der Saison wurde dann meine Trikotnummer „verewigt“ – das war dann auch das Ende meiner Spielerkarriere.“
2. Was sind Ihre Ziele für diese und die kommende Saison?
„Wir sind hier, um jedes Spiel zu gewinnen. Das klingt wie eine Phrase, aber als Trainer ist dies deine Herangehensweise. Momentan sind wir dabei, unsere beste Aufstellung zu finden und mit allen vier Reihen zu spielen. Wir möchten die Saison so gut wie möglich beenden und uns während der restlichen Saison entwickeln. Und wenn hoffentlich alles gut läuft, können wir in den Play-offs für viel Stimmung sorgen.“
3. Was macht für Sie einen „herausragenden“ Eishockeyspieler aus?
„Herausragende Eishockeyspieler sind meistens auch herausragende Personen. Talent ist einfach zu finden, auch wenn nicht jeder Spieler Talent hat. Wenn talentierte Spieler gute Arbeiter, gute Lehrlinge und gute Teamkameraden sind, finde ich dies eine gute Kombination eines herausragenden Spielers. Sie müssen laufen, denken und schnell spielen. Dazu müssen sie das System verstehen und auch im Spiel anwenden können. Außerdem sollten sie eine Wettbewerbsfähigkeit haben, in den Ecken und vor dem Tor hart arbeiten. Wenn sie dies alles zusammenbringen, sind sie für mich ein guter Eishockeyspieler.“
4. Wie bereiten Sie sich auf ein Spiel vor? Gibt es Glücksbringer oder Rituale?
„Nein, nicht so sehr. Schon als Spieler hatte ich dies nicht. Ich habe Routinen, wozu natürlich eine gute Vorbereitung zählt. Man verbringt viel Zeit mit dem Videostudium, dem Kader des Gegners und den Zielen, die man mit seiner Mannschaft erreichen möchte. Normalerweise möchte ich dies immer einen Tag vor dem Spiel erledigt haben, so können wir beim abschließenden Training schon mit unserem Gameplan beginnen und das Team auf den Gegner einstellen.“
5. Wie wichtig sind Emotionen für Ihren Beruf?
„Ich erwecke meistens den Eindruck, dass ich ein ruhiger Mensch bin, was zum Großteil auch stimmt. Als Trainer habe ich eine wichtige Führungsposition innerhalb der Mannschaft. Die Spieler schauen nach mir, um ihre Energie einzuteilen. Da bleibe ich lieber ruhig, ob es gut oder nicht so gut läuft. Wenn man emotional wird, kann man dumme Sachen machen. Und ich möchte uns gerne an dieser Grenze haben. Wenn ich also auch nicht so emotional wirke, brenne ich innerlich.“
6. Was haben Sie bislang über Kassel und die Huskies gehört?
„Während meiner Zeit in Weißwasser habe ich die Huskies aus der Ferne beobachtet und habe jeden Trip nach Kassel genossen. Auch wenn wir damals nicht die Qualität der Huskies hatten, waren es immer sehr gute Spiele gegeneinander und ich habe die Stimmung und die Energie in der Eissporthalle sehr gemocht. Mit der Renovierung hat sich das Gesicht der Halle stark gewandelt, aber die wichtige Unterstützung der Fans ist nach wie vor fantastisch.“
7. Was wir Ihr größter Erfolg? Was Ihre größte Niederlage?
„Das ist immer schwer einzuschätzen. Als Spieler wurde ich an Stelle 53 im NHL-Draft ausgewählt, was ein großer Erfolg war. Es dann leider nicht in die NHL zu schaffen, ist schon eine Niederlage für mich. Das ist auch mit einer der Gründe, warum ich Trainer geworden bin. Als ich anfing zu trainieren, wurde mir schnell bewusst, dass ich als Spieler vieles nicht wusste. Es hat mich frustriert, dass sich damals keiner die Zeit für mich genommen hat, um mich als Spieler weiterzuentwickeln. Ich denke, wenn du deine Spieler 10 - 15% besser machen kannst, dann wird auch die Mannschaft 10 – 15% besser.
Als Trainer war ich lange in Nottingham, wo wir die Britische Meisterschaft gewinnen konnten und super Mannschaften hatten. Dazu konnten wir den Continental Cup gewinnen und sind ins Viertelfinale der Champions Hockey League eingezogen. Meinen größten Erfolg als Trainer sehe ich aber in der Entwicklung von Spielern. Ich hatte in Nottingham viele junge Spieler, die nun für die Nationalmannschaft Großbritanniens spielen. Aber nicht nur die Spieler auf dem Eis zu entwickeln, sondern sie auch als Personen zu fördern und nun zu sehen, dass sie tolle Mitglieder der Gesellschaft sind, erfreut mich sehr. Wenn ich also etwas von meiner Trainer-Karriere mitnehme, dann dass ich geholfen habe, gute Männer zu entwickeln.“
8. Drei Dinge, ohne die Sie nicht auskommen?
„Meine Familie. Ich bin seit 24 Jahren mit meiner Frau verheiratet und wir haben zwei Söhne, 21 und 20. Sie stehen bei mir ganz oben. Auf alles andere kann ich verzichten.“